Im Land der Dreitausender
Bergwanderwoche vom 10.07. - 16.07.2011
 
Die erste Bergwanderwoche in diesem Jahr, führte die DAV Sektion Feucht nach Osttirol, ins Land der 3000er Gipfel (241 Berge über 3000m). Dabei wurde die Lasörlinggruppe von West nach Ost durchwandert. Entlang an mehreren großen Wasserfällen, über Almen und Wanderwegen führt der Weg in eine Höhe von 2000 bis 3000m zu den schönsten Aussichten von der schneebedeckten Venedigergruppe, über die Glocknergruppe und nach Süden zu den Dolomiten.

Am Sonntagmorgen machten sich 16 Wanderer auf in den Süden. Ein Nachzügler folgte am Montag, um sich mit der Gruppe zu vereinen. Bereits während der Anfahrt beäugten die Wanderer, am Pass Thurn (1274m) angekommen, die imposante Bergwelt  und den wunderschönen Ausblick über das Oberpinzgau. Die Anfahrt führte weiter durch das Felbertauerntunnel und zweigte bei Matrei, in Osttirol, ins Virgental ab. Am Talschluss in Ströden (1403m) schulterten sie die Rucksäcke und der Aufstieg zur Neuen Reichenberger Hütte wurde bei schönstem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen in Angriff genommen.

Entlang auf einem bequemen breiten Kutschenweg erreichten die Feuchter fast gemütlich am späten Vormittag die Pebellalm (1520m). Hier wurde der Weg schmäler und schlängelt sich entlang des Kleinbachwasserfalls steil empor. Die Besichtigung des bekannten Umbalfall-Wasserschaupfads verschob man wegen der angekündigten Gewitterneigung auf den letzten Tag.

Der weitere Weg führte zuerst Richtung Westen bis zur Stürmitzalm (1932m). Dort teilte sich der Weg, die Gruppe wanderte über das Großbachtal bis zur Neuen Reichenberger Hütte (2586m), die nach ca. 5 Stunden Gehzeit bei starkem Wind und mit ersten Regentropfen am Nachmittag erreicht wurde. Nachdem die Zimmer und Lager für die beiden nächsten Tage bezogen waren und der gemütliche Ausklang des Tages in der Wirtsstube eingeläutet war, tobte sich außen ein Niederschlagsgebiet mit Starkregen und Gewitter aus.

Am Morgen des zweiten Tages konnten sie es kaum glauben, die Sonne strahlte vom Himmel die Nebelfelder zogen ab, ein wunderschöner Tag begann. Mit leichtem Rucksack erkundeten die DAVler in drei Gruppen die Umgebung. Dabei wurden Übergänge wie Bachlenke, Daberlenke und Rote Lenke genutzt, um die Gipfel der Rosenpitze (3060m), Finsterkarspitze (3028m), Gösleswand (2912m) und des Bachlenkenkopfes (2759m) zu erklimmen. Einige Teilnehmer entpuppten sich zu Gipfelsammler, die Anderen konnten mindestens 2 Gipfel erreichen. Die Aussichten waren von allen Gipfeln je nach Wolkenbildung grandios. Als besonders naher Blickfang boten sich die Gletscher der Venediger Gruppe. Die Gletscherwelt der Simonyspitzen und des Großvenedigers sah man in der Venedigergruppe im weißen Kleid blitzen.

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Nach absolvierten schweißtreibenden Bergtouren fanden sich alle wieder auf der Neuen Reichenberger Hütte zusammen und der erste Mineraldrink konnte noch auf der Terrasse bei Sonnenschein eingenommen werden. Einige bevorzugten ein Bad im nahe gelegenen See und sparten sich so das Waschen mit dem noch kälteren Waschraumwasser. Rechtzeitig zum Abendessen erreichte ein Regengebiet die Bergwelt und sorgte für genügend Feuchtigkeit auf den Almwiesen.

Am dritten Tag war Hüttenwechsel angesagt. Der Weg führte die Wanderer in einem ständigen auf und ab über die  Rote Lenke (2794m) hinab in eine Hangmulde, den Kleinbachboden und wieder hinauf zur Milchtalscharte (2753m). Von hier ging es steil bergab bis man auf den Muhs-Panoramaweg stößt. Über diesen erreichten sie das nächste  Nachtquartier, die Bergerseehütte (2182m).

Obwohl an diesen Tag kein Gipfel erklommen wurde, war es doch der Tag mit den schönsten Erlebnissen. Das schöne Wetter hielt von früh bis in die Nacht. Die Aussichten waren wie im Buch beschrieben von malerisch bis gigantisch. Im Norden zeigte sich der schneebedeckte Großvenediger der dem Großglockner in seinem weißen Glanze nicht nachstand. Obwohl der Großglockner um einige Meter größer ist, erschien der Großvenediger höher und zum Greifen nahe. Im Süden versperrte der Lasörling die Sicht. Eingebettet von aufragenden Felswänden erschien in einem Kessel der Berger See. Am Ufer liegend konnte man das Tagesziel, die Bergerseehütte, erkennen.

Die Natur zeigte sich auch mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt von der schönsten Seite. Die Wanderer beobachteten einen Steinadler im Gleitflug, mehrere Murmeltiere in kurzer Entfernung, junge Steinböcke und den Bläuling (eine Schmetterlingsart). Viele Blumen säumten den Weg, Alpenrosen, Alpenhahnenfuß, Enzian, schwarze Kohlröschen, Schusternägel und die Berg-Hauswurz fand man entlang des Weges. Am Bergersee angekommen, dachten alle, dass am anderen Ufer Neuschnee liegen würde. Dieser entpuppte sich als ein Blütenmeer von Scheuchzers Wollgrasblüten.

Der Tag endete wie er begann, bei bestem Sommerwetter. Am Abend konnte die Besprechung der nächsten Tagestour auf der Terrasse der wunderschön gelegenen Bergerseehütte stattfinden.

 

Heute musste der höchste Übergang, das Berger Törl (2850m), überschritten werden. Dieser Übergang ist im Juli meist schneebedeckt und mit Stahlseilsicherungen versehen. Am höchsten Punkt angelangt suchten alle einen windgeschützten Platz für eine Trinkpause. Dabei schweiften die Blicke wieder in die umliegende Bergwelt. Die Wolkenstimmung änderte sich von Minute zur Minute, gab Blicke frei und vernebelte sie dann, um die aufsteigenden Wolken und Nebelbänke wie Geister in den Himmel zu zeichnen. Im Abstieg zur Lasörlinghütte (2350m) nahm der Wind zu und das Wetter wurde unbeständig. Dadurch wurden die DAVler angetrieben und beschleunigten ihre Gangart. Das Quartier für die beiden nächsten Tage  erreichten sie bei Sonneschein.

Bevor am Nachmittag noch eine kleine Wanderung ohne Gepäck zum Virgen Törl in Angriff genommen wurde, bezogen die Wanderer ihre Zimmer.

So sieht Luxus in den Bergen aus! Die Zimmer und Betten waren großzügig eingeräumt, die Betten mit neuer farbiger Bettwäsche bezogen, ein wirklich warmer Trockenraum war vorhanden und heiße Duschen gab es für alle.

Das Virger Törl (2616m) erreichten die Wanderer nach ca. 45 Minuten. Dort angekommen war der Blick Richtung Süden und Westen frei. In der Ferne erkannte die Gruppe eine schnell heranziehende Gewitterfront und so fingen die Beine wieder an schneller zu laufen. Die Hütte wurde noch trockenen Fußes erreicht. Das schlechte Wetter zog noch etwas umher, bis es sich in der Nacht zu einem Unwetter der heftigsten Art entwickelte. Grelle Blitze, lauter Donner, Starkregen und Hagel waren die Folge. Bis in den Morgen fiel auf der Lasörling Hütte der Strom aus. Am darauffolgenden Morgen war es nebelig und wo sonst wassergefüllte Pfützen waren, fand man Hagel- und Graupelansammlung der vergangenen Nacht.

Am 5. Tag machten sich alle mit leichtem Gepäck in Richtung Lasörling auf. Der Lasörling ist mit 3098 m die höchste Erhebung in der Lasörlinggruppe. Die DAVler umwanderten in den letzten Tagen diesen Berg von Westen, Norden und Osten. Sie kannten alle Ansichten und nun sollte es von Südwesten hinauf auf den Gipfel gehen. In einer Hochebene bis zum finalen Anstieg wanderten alle in der Hoffnung, dass die Wolke, die den Gipfel verhüllte, verschwand. Auf steinigen Serpentinen, führte der Weg teilweise mit leichten Kletterpassagen zum Gipfel. Dort angekommen verschnauften alle, zogen Mützen und Handschuhe an, es war windig und kalt. Alle warteten, dass sich der Nebel verzog. Vergebens, nur einzelne Lücken gaben die Sicht für kurze Zeit frei. Der angepriesene Aussichtsgipfel blieb im Nebel. Im Abstieg pausierte die Gruppe auf halber Höhe und die wärmenden Sonnenstrahlen taten wohl.

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Der Lasörling wurde frei! Vier hartnäckige Bergsteiger aus der Feuchter Gruppe machten sich ein zweites Mal auf zum Gipfel. Wieder an der Scharte vor dem Gipfel angekommen belohnte sie ein freier Blick auf die umgebende Bergwelt aber auch auf heranziehende dunkle Wolken. Deshalb war wieder eiliger Abstieg angesagt und die Gruppe folgte den Vorausgegangen  Richtung Hütte. Auch wenn die Sicht nicht so gut war, waren doch alle an diesem Tag zufrieden und freuten sich die Lasörlinghütte ohne nass zu werden wieder erreicht zu haben. Der Tag verabschiedete sich mit Regen bis in die Nacht.

Für den letzten Hüttenwechsel gab es zwei Möglichkeiten. Eine führte über den Grat des Deferreger Riegels und versprach schöne Aussichten in alle Richtungen. Dabei überschreitet man 3 Gipfel, den Speikboden (2653m), Donnerstein (2725m) und den Griften (Zupalkogel) 2720m. Der zweite Weg führte über Blumenwiesen, Almen und Bachquerungen. Die Gruppe der Wanderer teilte sich in zwei Teilen, wobei beide Gruppen zuerst schöne Aussichten genießen konnten und dann im Nebel und einem Meer von Wolken verschwanden.

Jedoch war die langsam laufende Gruppe im Vorteil. Sie genossen die Blumenwiesen und besuchten eine urige Alm, wo es Käse, frische Butter, Buttermilch und schmackhaftes  frisches Brot gab. Aufgrund der kürzeren Wegstrecke waren sie trotz verlängerter Verzehrpause früher an der letzten Unterkunft, der Zupalseehütte (2350m) angekommen. Kurz darauf setzte Starkregen und Hagel ein. Zu dieser Zeit befand sich die zweite Gruppe noch auf dem Höhenweg. Sie erreichten ca. 30 Minuten später völlig durchnässt die schöne Hütte mit dem wärmenden Ofen und einer besonders angenehm wärmenden Dusche.

Der letzte Tag begann mit strahlendem Sonnenschein und aufsteigenden Nebel, sodass die Sicht für ein stimmungsvolles Panorama frei wurde. Der letzte Abstieg bis zur Wetterkreuzhütte (2106m) sollte nur noch ein Spaziergang werden, deshalb entschieden sich vier Personen für den kurzen Aufstieg über das Legerle (2527m), um dann steil hinab zum Treffpunkt Wetterkreuzhütte zu wandern. Dort wieder zu einer Gruppe vereint waren sich alle Teilnehmer einig, an diesem Tag war das Panorama, die Fernsicht und die Stimmung im höchsten Maße wunderschön.

Nun Stand noch die Besichtigung des Umbalfall-Wasserschaupfades als krönender Abschluss bevor. Mit einem Hüttentaxi ließen sich die DAVler zuerst bergab und dann ca. 15km zum Ende des Virgentals zum Parkplatz nach Ströden zurückfahren. Am Ausgangspunkt der
Bergtour angekommen legten alle ihre Rücksäcke im eigenen Auto ab. Ohne Gepäck wanderten sie, bewaffnet mit Fotoapparaten, zum Wasserschaupfad.

Dort angekommen beeindruckte das Tosen der Wassermassen, die Luft empfanden sie zunehmend kühler und feuchter. Auf der orografisch rechten Seite der Umbalfälle sind balkonartige Aussichtsplätze in die Klamm vorgeschoben, die das Naturwunder der Hohen Tauern noch näher bringen sollen. Der Lärm der Wassermassen lässt eine Unterhaltung kaum zu. Für einige Fotos nahm man sich jedoch Zeit, um das Naturschauspiel festzuhalten. Mächtig und hoch erschien der Großbach wie er in die Isel aus großer Höhe hinab fällt. In Mitten der Umbalfälle bildeten sich immer wieder Regenbögen über der brausenden Gischt. Im Fels zeigten sich Strudeltöpfe, Glättungen und ausgeschliffene Felsformen. Auf Hinweistafeln konnte man lesen, dass die größten Wassermengen im Frühsommer Juni und Juli und tageszeitabhängig am Nachmittag hinunterstürzen. Dies ist auf die Schmelze der Gletscher während der  Sonneneinstrahlung zur Mittagszeit zurückzuführen. Somit war es die beste Zeit diesen Wasserschaupfad zu besichtigen.

Zusammenfassend kann die Bergwanderwoche wie folgt beschrieben werden. Trotz schlechten Sommerwetters im Juli 2011 hatte die Gruppe die beste Woche erwischt und alle bis auf 3 Personen kamen mit trockener Kleidung von den Bergtouren auf den Hütten an. Der Regen und die schweren Gewitter tobten sich nachts aus und tagsüber war bestes Bergsteigerwetter. Die Aussichten grandios, die Touren schweißtreibend, die Hütten gemütlich und schön gelegen. Osttirol wir kommen wieder!

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